Apokalypse auf Kundenwunsch

Die Gummistiefel schmatzen. Der Schlick saugt sich mit jedem Schritt immer wieder fest. Viele Mieter wären verärgert, gerade erst haben sie die Halle angemietet und jetzt liegt hier eine dicke Schlammschicht. Aber die Mieter sind begeistert, es sind die Produzenten von "Haven – Above Sky". Ihre Sci-Fi-Produktion haben sie in den Bavaria Studios realisiert, das Art Department hat eine aufwändige Wattenmeer-Kulisse kreiert.

Ansicht

"Haven - Above Sky"

Für Szenen im Wasser wurde das Becken in den Bavaria Studios geflutet. Mit Hilfe von Licht und Nebel erzeugten sie die passende Stimmung.

© Bavaria Studios/Michael Hilscher

© Bavaria Studios/Michael Hilscher

Das postapokalyptische Sci-Fi-Abenteuer "Haven - Above Sky" unter der Regie von Tim Fehlbaum ("Hell") spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, nach einer globalen Katastrophe, die fast die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. Die Astronautin Blake (Nora Arnezeder) wird darin von der Weltraumkolonie Kepler auf die Erde zurückgeschickt und muss eine Entscheidung treffen, die das Schicksal der Bevölkerung auf beiden Planeten besiegeln wird. Neben Nora Arnezeder bilden Iain Glen, Sarah-Sofie Boussnina, Sope Dirisu, Sebastian Roché, Joel Basman, Bella Bading und viele mehr den Cast. Die Produzenten sind die BerghausWöbke Filmproduktion und Vega Film in Verleih und Co-Produktion mit Constantin Film und Babelsberg Film.

In der 3.150 qm großen Halle 12 der Bavaria Studios entstand im September 2018 ein außergewöhnliches Set. Die Produktion der BerghausWöbke Filmproduktion spielt in einem endlosen Wattenmeer. Und das Bavaria Studios Art Department musste sämtliche Register ziehen, um diese Herausforderung zu meistern. Zunächst wurde ein wasserdichter, mehrschichtiger Rahmen ins Studio gesetzt: Holz, Styropor, eine Plane aus massiver Teichfolie und nochmal Holz sorgten für ein stabiles Set, das dann mit rund 200 Tonnen Sand befüllt wurde.

Aber: Was sprach eigentlich gegen einen Dreh an der Nordsee, wenn man eine Wattlandschaft braucht? Die Antwort ist einfach: Zeit. Die Tiden zwischen Ebbe und Flut sind viel zu kurz, um ein Set aufzubauen, auszuleuchten, Szenen zu drehen und wieder abzubauen, bevor das erste Meerwasser den Regiestuhl wieder umspült. Besonders wichtig war den Produzenten auch die Licht-Stimmung der "Blue Hour": der Zeit, in der sich Tag und Nacht abwechseln und die „on location“, also vor Ort, nur zweimal am Tag für je eine Stunde eintritt. Im Studio gab es dieses Licht ganze zehn Stunden pro Tag. Die komplexen Voraussetzungen, die ein Dreh am Strand gehabt hätte, von Wind über Wetter bis zum Licht und der Infrastruktur, waren im Studio kontrollierbar: und das zu 100 Prozent.

© Bavaria Studios/Michael Hilscher

Also konstruierten bis zu 30 Mitarbeiter des Bavaria Studios Art Department ab Mitte August 2018 ein Becken für die Produktion, deren Dreharbeiten dann ab dem 20. September 2018 in den Bavaria Studios starteten. Einige wenige Drehtage gab es dann tatsächlich auch an der Nordsee: zur Produktion von "Establishing Shots", kurz E-Shots. Das sind Sequenzen, die den Ort der Handlung vorstellen, Stimmung setzen und dem Zuschauer eine räumliche Orientierung geben. Was vor Ort und was im Studio gedreht wurde, wird der Zuschauer im Film nicht mehr unterscheiden können.

© Bavaria Studios/Michael Hilscher

Nach den Drehszenen im Watt wurde das Becken schließlich umfunktioniert, eine dünne Sandschicht blieb am Boden, der Rest wurde mit Wasser aufgefüllt. So entstanden 1400 Kubikmeter "Spielfläche" für das Drehteam. Doch das Set bestand natürlich nicht nur aus Sand und Wasser. "Eine der größten Dekorationen, ein 12 Meter langer und drei Tonnen schwerer Kutter, musste von einem wiederum 70 Tonnen schweren Baukran in das Becken gehoben werden", sagt Matthias Tischmacher, Leiter Bavaria Studios Art Department. Es war ein entscheidender Moment, der zeigte, ob die Berechnungen der Konstrukteure für die Stabilität der Kulisse aufgingen. Denn das Schiff brachte einen ganz neuen Druck auf die Außenwände des Beckens. "Unsere größte Sorge war das Wasser. Sollte das Becken aus irgendeinem Grund aufbrechen, musste das Wasser so schnell wie möglich innerhalb des Studios abfließen können. Sonst wäre ein riesiger Schaden entstanden", sagt Tischmacher. Passiert ist nichts. Die Konstruktion hielt. Das Bavaria Studios Art Department hatte alles richtig gemacht.

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"Haven - Above Sky"

Mit Nebel und Beleuchtung wurde die richtige Stimmung am Set zu "Haven - Above Sky" erzeugt.

© Bavaria Studios/Michael Hilscher

© Bavaria Studios/Michael Hilscher

Damit die Crew halbwegs trocken in das Set hinein- und auch wieder hinausgehen konnte, wurden knapp unter der Wasseroberfläche zusätzliche Stege verbaut. Davon sieht man im Film natürlich nichts. Man wird auch nicht merken, dass das gezeigte "Meer" nur etwa einen Meter tief war. Dafür waren spezielle Tricks gefragt. "In einer Szene kommt eine Wetterboje vor", sagt Matthias Tischmacher. "Bei acht Metern Höhe und einem Durchmesser von fünf Metern hat die Boje sich zunächst keinen Millimeter bewegt." Doch Bojen müssen in den Wellen der weiten See schaukeln. "Wir haben also eine eigene Mechanik entwickelt und gebaut, die die Boje zum Schwingen bringt. Dreißig Spiralfedern wurden von der Boje zur Bodenplatte gespannt. Und so bewegt sie sich scheinbar natürlich – in einem flachen Becken."

Auch der Hintergrund im Studio, eine endlose Weite von Wattenmeer und Wolken, ist für Zuschauer nicht von einer realen Aufnahme zu unterscheiden. Denn der Hintergrund wurde real fotografiert, einmal bei Morgengrauen und einmal bei Abenddämmerung. Nachdem Vorder- und Rückseite auf eine Leinwand von acht Metern Höhe und 90 Metern Breite gedruckt waren, konnten je nach Anleuchten beide Stimmungen gedreht werden. Ausgeleuchtet wurde die Leinwand von bis zu 200 ARRI Sky Panels. Über die gesamte Kulisse wurde dann noch ein blauer Nessel gespannt: der Himmel. Dieser wurde indirekt angestrahlt und so konnte absolut diffuses natürliches Licht simuliert werden.

Die Produzenten kündigten die Kinopremiere von "Haven – Above Sky" für 2019/2020 an. Die Gesamtkomposition all der Elemente, die aus einem Filmset eine postapokalyptische Welt machten, ist erst dann in voller Pracht zu sehen. Matthias Tischmacher und sein Team sind schon jetzt auf das Ergebnis ihrer Arbeit gespannt.

 

Text: Martin Brückle

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