"Mein Herz lebt und blutet mit jeder Rolle"

Mo., 26. Okt. 2026 Karsten Günther Bavaria Fiction

"Mein Herz lebt und blutet mit jeder Rolle"

Siegfried Wagner, Casting Director Bavaria Fiction, gibt im Interview zum Start von "Drive – The Pretenders" exklusive Einblicke in den Casting-Prozess des Prime-Originals.

Bavaria Film: Filme bleiben uns nicht nur aufgrund der Geschichte im Gedächtnis, sondern oft auch wegen der Schauspieler*innen. Wie wichtig ist deshalb die Position des Casting Directors? 

Siegfried Wagner: Beim Deutschen Filmpreis wird ab dem nächsten Jahr erstmals ein Preis in der Kategorie "Bestes Casting" vergeben. Das zeigt die zentrale Rolle und Bedeutung eines Casters bei der Produktion.

Die Figuren machen den Herzschlag eines Films aus. Um das konkret auf "Drive – The Pretenders" zu beziehen: Der Film basiert auf einem Roman, der auf der Online-Plattform Wattpad veröffentlicht wurde. Gerade bei solchen Romanverfilmungen ist es wichtig, das Buch mit dem passenden Casting zum Leben zu erwecken.  

Ab welchem Zeitpunkt warst du bei "Drive – The Pretenders" an Bord?  

Als festangestellter Casting Director bei der Bavaria Fiction stehe ich immer in engem Austausch mit den Produzenten, oft sogar schon bei der ersten Idee oder beim ersten Pitch. Das war hier auch der Fall. 

Man steigt bereits in die Figuren ein, auch wenn sie sich natürlich durch die Arbeit am Drehbuch mit allen damit verbundenen, dramaturgischen Wendungen noch verändern. 

Mit "Drive – The Pretenders" verfilmt die Bavaria Fiction erstmals einen Wattpad-Roman. Die Online-Storytelling-Plattform ist unheimlich populär und erreicht Millionen Leserinnen und Leser. Was macht den Stoff für dich so reizvoll? 

Der Film – und damit auch das Buch – bringt wirklich alles mit: die Kombination von einem spannenden, ungewöhnlichen Arbeitsplatz in der Welt des Motorsports und Glamours, verbunden mit einer heißen, spannenden Love-Story.

Was mussten die beiden Hauptdarsteller mitbringen?  

Zum einen Glaubwürdigkeit, bei der man merkt: Du fühlst den Stoff. 

Man muss letztendlich hinter der Wahrhaftigkeit der Geschichte und natürlich auch hinter dem Märchen stehen.  

Zur Story:

Eine junge Rennwagen-Mechanikerin (Lisa-Marie Koroll) täuscht eine Verlobung mit dem skandalträchtigsten Racing-Star (Amin Baahmed) der Szene vor. 

Offiziell für seinen Ruf, insgeheim für ihre eigene Chance am Steuer. 

Doch bald droht die Lüge alles zu zerstören, auch das, was längst mehr ist als nur ein Spiel.

Das klingt nach einer sehr schwierigen Aufgabe…  

Mit Karsten Günther, dem Produzenten von "Drive – The Pretenders", habe ich bereits einige tolle Casting-Erfahrungen gemacht, auch im New-Adult-Bereich. 

Wir haben einander vertraut und wussten, worauf es ankommt. Als der Regisseur Sergej Moya dazu kam, hat sich die gemeinsame Vision für das Projekt noch einmal verdichtet. 

Wie kann man sich diese Vision vorstellen?  

Wir wollten zwei Welten abbilden: Auf der einen Seite die vermeintliche Rennfahrer-Glamourwelt, die alles andere als oberflächlich ist, sondern auch eine psychologische Ebene hat. 

Auf der anderen Seite haben wir mit der Protagonistin Sarah Jenkins (Lisa-Marie Koroll) eine Frau im Rennsport, die aus einer anderen sozialen Schicht stammt und mit ihrer Liebe zur Motorsportwelt hervorsticht.  

Schadet es also nicht, wenn man sich als Schauspielerin oder Schauspieler in die Psyche der Figuren hineindenken kann?  

Das braucht es nicht unbedingt. Aber es ist für mich spannend zu sehen, ob der jeweilige Schauspieler oder die jeweilige Schauspielerin die Anlagen mitbringt, die es für die Figur braucht. 

Ich stelle mir beim Casting die Frage: Schwingt die Emotion, die ich beim Lesen hatte, genauso in dem Moment mit und überträgt sich das auch auf die Zuschauerinnen und Zuschauer? 

Wobei bei "Drive – The Pretenders" anfangs nicht nur die Liebe im Vordergrund steht. Die beiden Protagonisten verlieben sich ja nicht direkt ineinander. 

Das war die Schwierigkeit. Wo setzt du den Magneten zwischen diese zwei Figuren, die sich im ersten Moment abstoßen. 

So etwas haben die meisten Menschen in ihren eigenen Gefühlen schon mal erlebt, dass man etwas oder jemanden auf den ersten Blick vielleicht gar nicht attraktiv findet, aber dann doch ein Reiz entsteht. Und dieses Gefühl auch beim Anschauen der Szene und durch die Kamera zu spüren, ist essenziell.   

Inwiefern bist du dann ab dem Drehbeginn noch in die Produktion involviert? 

Ich habe bei der Bavaria Fiction die Möglichkeit, das ungeschnittene Filmmaterial vom Set zu sehen, was nicht selbstverständlich ist. 

Das ist für mich wichtig, weil es ja auch ein Lernprozess ist: Funktioniert das, was man sich ausgedacht hat, und was nimmt man als Learning mit? 

Mein Herz lebt und blutet mit jeder Rolle, egal wie groß oder klein.  

 

Man darf also das Große ganze nicht aus den Augen verlieren! 

Genau. Man muss immer das Gesamtgefüge im Blick haben. 

Da sind die einzelnen Rollen natürlich wichtig, aber der gesamte Cast muss funktionieren und eine Einheit bilden – und das spürst du. 

Wie fühlst du dich kurz vor dem Launch bei Prime Video?  

Da ist einfach eine sehr große Vorfreude in mir. Ich bin davon überzeugt, dass "Drive – The Pretenders" eine Form von Eskapismus bietet, die uns gerade gut tut – noch dazu in diesem tollen, hochwertigen Hollywood-Format.  

Warum darf man "Drive – The Pretenders" auf keinen Fall verpassen?  

Weil jeder etwas von sich selbst, von seinen eigenen Träumen, seinen Sehnsüchten und seinen Gefühlen in den unterschiedlichen Charakteren finden wird. Es ist für jeden etwas dabei, an dem man andocken kann. Und das mit so fantastischen Bildern, einem tollen Tempo und einem mitreißenden Soundtrack. Der Film hat einfach einen unglaublichen Sog.

"Drive – The Pretenders" ist ab dem 28. Oktober bei Prime Video zu sehen. Die Produktion der Bavaria Fiction entstand in Zusammenarbeit mit Amazon MGM Studios Deutschland für Prime Video. 

Als Produzent fungiert Karsten Günther, Sergej Moya übernimmt die Regie. Das Drehbuch stammt von Chris Silber und Malina Nwabuonwor, die Kamera verantwortet Armin Franzen. 

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