Förderpreis Neues Deutsches Kino 2026: Die Gewinner stehen fest
Am vergangenen Freitagabend ist der Förderpreis Neues Deutsches Kino 2026 im Rahmen des 43. FILMFEST MÜNCHEN verliehen worden.
© Kurt Krieger
© Kurt Krieger
Die Jury zeichnete Ella Cieslinski und Nina Wesemann für ihren Film "Erzähl mir dein Morgen" als beste Regisseurinnen aus.
Christoph Otto sicherte sich den Preis in der Kategorie "Beste Produzentische Leistung" für "Die Ballade von Mittwoch auf Donnerstag".
Susanne Heinrich hat den Preis in der Kategorie "Bestes Drehbuch" für "Die miserable Mutter“ sowie das Mentoring-Programm bei Bavaria Fiction gewonnen, das in diesem Jahr Produzent Ronald Mühlfellner begleitet.
In der Kategorie "Beste Schauspielerische Leistung" wurde Ricarda Seifried für ihre Rolle in "Erzähl mir dein Morgen" ausgezeichnet.
Der Förderpreis Neues Deutsches Kino 2026 wird von der Bavaria Film, dem Bayerischen Rundfunk und der DZ Bank gestiftet.
Durch die Veranstaltung an der HFF München führte Moderatorin Christina Wolf. Zur dreiköpfigen unabhängigen Jury gehörten in diesem Jahr Visar Morina (Regisseur/Drehbuchautor), Haley Louise Jones (Schauspielerin) und Trini Götze (Produzentin).
Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ist insgesamt mit 70.000 Euro dotiert und zeichnet herausragende Leistungen aufstrebender Talente in den Spielfilmen der Reihe Neues Deutsches Kino des FILMFEST MÜNCHEN aus. Auch 2026 erhalten Produzent*innen, deren Werk den Förderpreis Neues Deutsches Kino beim FILMFEST MÜNCHEN in der Kategorie "Beste Produktion" gewinnt, eine Referenzförderung der Filmförderungsanstalt (FFA) in Höhe von 50.000 Referenzpunkten.
Förderpreis Neues Deutsches Kino "Regie" (30.000 Euro): Ella Cieslinski und Nina Wesemann für "Erzähl mir dein Morgen"
Die Jurybegründung, vorgetragen von Visar Morina:
"Es ist sehr besonders für mich hier zu stehen und diesen Preis zu übergeben. Meinen ersten Langfilm habe ich auch hier auf dem FILMFEST MÜNCHEN gezeigt und eben diesen Preis erhalten. Für mich war das ein Meilenstein in meinem Leben und ich hoffe, dass es auch für euch eine sein wird.
Ich kann die Angst und Aufregung nachempfinden. Ich möchte vorausschicken, dass - wie ihr alle wissen - man der eigenen Subjektivität nicht entkommen kann, und wir sind in unserer Entscheidung subjektiv und versuchten unserer Verantwortung gerecht zu werden.
Erstaunlicherweise handelt der Film, den wir auszeichnen, auch davon, von der Frage, was denn das Richtige wäre zu tun, zu machen, zu sein. Jede Figur in diesem Film, und sei sie noch so klein, scheint von dieser Frage getrieben zu sein. Der Film erzählt von Neubausiedlungen, die nach dem Krieg auf Sand gebaut werden, von einem der auszog, um ein neues Ich zu finden und doch mit dem Alten zurückkehrt, von einem Vater, der die Grenze zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit sucht, von zwei Frauen, die um den Zugang zueinander ringen.
Dabei geht der Film so umsichtig, vielschichtig vor, als wäre er Selbst eine der Figuren. Ein Film der von Hier und Heute erzählt, und uns fragt, wie unser Morgen aussehen soll?
Der Förderpreis NEUES DEUTSCHES KINO in der Kategorie REGIE geht an Ella Cieslinski und Nina Wesemann für den Film 'Erzähl mir dein Morgen'."
© FILMFEST MÜNCHEN
© FILMFEST MÜNCHEN
Zum Inhalt:
Die Filmemacherin Nico reist in ihre alte Heimat zurück, um mit ihrer Kindheitsfreundin Lori, die dort noch als Lehrerin arbeitet, einen Workshop zum Thema Geschichtenerzählen zu geben. Loris Schüler*innen sollen sich dabei ihr "zukünftiges Ich" vorstellen.
Deren Reflexionen zwingen Nico und Lori, sich mit ihren eigenen Lebensentscheidungen auseinanderzusetzen – und ihrer Freundschaft.
Förderpreis Neues Deutsches Kino "Produktion" (20.000 Euro): Christoph Otto für "Die Ballade von Mittwoch auf Donnerstag"
Die Jurybegründung:
"In dieser Woche hatten wir das große Privileg in viele verschiedene Welten einzutauchen und unterschiedlichste Perspektiven einzunehmen. Dabei blieb ein Film hängen, der den Blick darauf richtet, wo wir sind, was wir sind, was uns zu sozialen Wesen macht. Wir zeichnen eine Produktion aus für den Mut, das Unscheinbare zum Mittelpunkt zu erklären, einem Prozess zu vertrauen, dessen Ausgang offen ist.
Dabei ist ein Film entstanden, der unseren Blick aufs Alltägliche lenkt - mit all seiner Absurdität, Tragik und Schönheit. Unvoreingenommen und ohne seine Figuren vorzuführen zeigt er uns unsere Einsamkeit, unsere Suche nach Anschluss. Er schafft es anhand einer Eckkneipe die Befindlichkeit eines Landes zu zeigen.
Dieser Film ist eine Hommage an Köln, eine Hommage an die Menschen der Stadt, eine Hommage an uns alle - es ist eine Ballade! Eine 'Ballade von Mittwoch auf Donnerstag'.
Der Förderpreis NEUES DEUTSCHES KINO für die BESTE PRODUZENTISCHE LEISTUNG geht an Christoph Otto."
© Monte Kalk Film
© Monte Kalk Film
Über eine Nacht hinweg kreuzen sich in Kölner Kneipen, Bars und Shisha-Lounges die Wege unterschiedlicher Menschen. Dabei kommen die Themen auf den Tresen, die Deutschland wirklich bewegen: das Patriarchat, der Nahostkonflikt, steigende Mieten und die Frage, ob Jesus heute noch eine Runde ausgeben würde. Politische Haltungen verhärten sich im Alkohol, alte Wunden brechen auf.
Förderpreis Neues Deutsches Kino "Drehbuch" (10.000 Euro): Susanne Heinrich für "Die miserable Mutter"
Die Jurybegründung, vorgetragen von Haley Louise Jones:
"Du bist dafür gemacht. Es ist das schönste Gefühl der Welt. Du wirst es lieben. Es wird dein Leben bereichern und dich erfüllen. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Frau wohlmeinend von ihrem Umfeld, der Gesellschaft und manchmal sich selbst hört, wenn sie Mutter wird. Aber was soll und wie soll man Mutter sein?
Ich habe (noch) keine Kinder, daher weiß ich nicht wie sich diese Realität anfühlt. Was ich aber weiß, ist, dass ich mir einen Film wie diesen wünsche, um allem was ich dann vielleicht fühlen und erleben werde Stimme und Raum zu geben. Ein Film wie ein Fiebertraum - und dabei so lust- und kunstvoll, mit einem einzigartigen Gefühl für Rhythmus.
Wir freuen uns den Förderpreis NEUES DEUTSCHES KINO in der Kategorie DREHBUCH an Susanne Heinrich für 'Die miserable Mutter' zu vergeben."
© Susanne Heinrich
© Susanne Heinrich
Zum Inhalt:
Für die miserable Mutter, die mit ihrem Neugeborenen und dem Kindsvater Peter Pan zu Hause hockt, wird die Mutterschaft zum Gefängnis. Während ihr Lebensradius sich aufs heimische Sofa, den Stadtpark und ein Mutter-Kind-Café beschränkt, verschwimmen die Grenzen zwischen Innen und Außen, Gesellschaft und Subjekt, Körper und Diskurs.
Förderpreis Neues Deutsches Kino "Schauspiel" (10.000 Euro): Ricarda Seifried für "Erzähl mir dein Morgen"
Die Jurybegründung:
"Es gibt Performances, die so einprägsam sind, dass man die Erinnerung daran weit über den Film hinaus mit sich trägt. Mensch sein, Frau sein, Freundin sein - was das alles bedeutet und mit sich bringt ist oft schwer in Worte zu fassen.
Die Komplexität dessen in einen einzigen Blick legen zu können ist ganz große Kunst.
Die Schauspielerin, die uns alle mit ihrer würdevollen und unglaublich naturalistischen Darstellung so dermaßen beeindruckt hat, ringt in ihrer Figur auf eine Art um Worte, Haltung und Sicherheit, die fern von Selbstdarstellung wirkt, sondern voller Verschreibung an die Wahrheit des Moments.
Sie schafft es eine Figur zu kreieren, die sehr spezifisch ist, in der man sich aber gleichzeitig selbst wiedererkennt - mit allem was daran unangenehm ist. So genau und auf den Punkt zu spielen, Konflikte und Widersprüche so spürbar zumachen, zeigt wie fein ihr Verständnis von Mensch und Frau sein ist.
Der Förderpreis NEUES DEUTSCHES KINO in der Kategorie SCHAUSPIEL geht an Ricarda Seifried."
© FILMFEST MÜNCHEN
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Foto: Kurt Krieger