"Adele ist der Anker"
Nach "Faltenfrei" und "Ungeschminkt" nun "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks": Hinter den TV-Filmen mit Adele Neuhauser steht ein eingespieltes Kreativteam um Produzentin Anna Oeller. Im Interview erzählt sie, was die Arbeit so besonders macht.
Liebe Anna, hinter den Produktionen "Faltenfrei", "Ungeschminkt" und jetzt "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" - steht das gleiche Kreativ-Quartett: Drehbuchautor Uli Brée, Regisseur Dirk Kummer, Adele Neuhauser als Hauptdarstellerin und du als Produzentin. Wie habt ihr zueinander gefunden?
Ich hatte vor "Faltenfrei" schon länger den Wunsch, einen Stoff für Adele Neuhauser zu entwickeln. Dann haben Adele und ich uns kennengelernt und hatten beide das Gefühl: Da könnte etwas entstehen! Schnell war auch der Bayerische Rundfunk mit Claudia Simionescu an unserer Seite.
Und wie ist Drehbuchautor Uli Brée ins Spiel gekommen?
Bei der Überlegung, wer für Adele etwas schreiben kann, ist der Name Uli Brée relativ schnell gefallen. Schließlich hat er die Figur der "Bibi Fellner" im "Tatort Wien" mitentwickelt. Adele und er kennen sich also schon sehr gut. Uli hatte auch gleich eine sehr spannende Idee, aus der dann "Faltenfrei" entstanden ist.
©BR/Bavaria Fiction GmbH/Jaqueline Krause-Burberg
©BR/Bavaria Fiction GmbH/Jaqueline Krause-Burberg
"Faltenfrei" wurde Adele Neuhauser also auf den Leib "geschrieben". Was ist so reizvoll an ihrem Schauspiel, dass du gesagt hast: Ich möchte unbedingt mit ihr zusammenarbeiten?
Ich fand sie großartig im Wiener "Tatort". Uli hat sie darin als Figur toll angelegt, ihr eine spannende Biografie gegeben: authentisch, nahbar, verletzlich, empathisch, klug - das könnte ich jetzt noch länger so fortführen. Ich habe mir aber irgendwann gedacht: Warum es bei der Figur der "Bibi Fellner" belassen? Und da entstand dieser Gedanke, für sie etwas zu entwickeln.
Auch wenn die drei Filmtitel den Eindruck erwecken – eine Trilogie sollte es von Beginn an nicht sein, oder?
Nein, die Projekte hängen inhaltlich nicht zusammen, auch wenn Adele Neuhauser als Frauenfigur in allen Filmen im Vordergrund steht. Die Themen sind auch komplett unterschiedlich: etwa Schönheitsideale in "Faltenfrei" oder jetzt Liebe und Beziehung in "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks".
Hat sich während des Drehs von "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" bei euch im Kreativ-Quartett ein vertrautes Gefühl eingestellt? Schließlich arbeitet ihr schon seit mehreren Jahren zusammen?
Ja, das kann man schon so sagen, auch wenn sich natürlich im Team immer einiges geändert hat! Und auch bei der Besetzung. Adele ist der Anker, um sie herum und für sie haben wir gearbeitet und wussten immer, für wen das ist.
Was zeichnet eure neue Produktion "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" aus Deiner Sicht besonders aus?
Auch wenn die anderen beiden Filme natürlich genauso interessant waren, ist es das Thema des Films. Adele spielt darin eine Frau Anfang 60, die unglücklich in ihrer Ehe ist. Sie lässt sich auf ein Wagnis mit einem Escort-Service-Boy ein. Diese Entscheidung finde ich schon allein sehr spannend und die gesamte Geschichte ist einfach wieder toll erzählt.
Es ist ja im deutschen Fernsehen, vorsichtig gesagt, nicht die Regel, Geschichten von sogenannten "Best Agern" über 50 ins Zentrum zu rücken - insbesondere Geschichten, in denen Frauen im Zentrum stehen.
Gerade das finde ich so schön an unserem Film. Geschichten von Frauen jenseits der 50 zu erzählen, die selbstbewusst sind und sagen: Was will ich? Was ist noch möglich und wohin zieht es mich? Das finde ich großartig und hoffe, dass wir mit diesen Thematiken unsere Zuschauer*innen finden.
©BR/Bavaria Fiction GmbH/Jacqueline Krause-Burberg
©BR/Bavaria Fiction GmbH/Jacqueline Krause-Burberg
Es war also nie im Gespräch, die Figur zu verjüngen?
Die Frage hat sich mir nie gestellt. Der Stoff war für Adele: Sie muss sich in die Figur und die Welt reinfühlen können. Adele Neuhauser setzt sich ausführlich mit ihren Figuren auseinander. Jeder der drei Filme mit seinen unterschiedlichen Charakteren stellt etwas Neues dar. Das Kontinuum vor der Kamera ist Adele, hinter der Kamera sind es Uli Brée, Dirk Kummer, der BR und ich.
Wenn Du an die Produktion von "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" - aber auch an "Faltenfrei" und "Ungeschminkt" - zurückdenkst: Welche Highlights kommen Dir in den Kopf?
Für mich ist es immer ein Highlight, wenn Adele am Set ist. Jeder der drei Filme hat eine eigene Geschichte: "Faltenfrei" haben wir 2020, im ersten Corona-Jahr, gedreht und wurden 2021 zum Filmfest München eingeladen, um dort die Premiere zu feiern...
... In dem Jahr wurden beim Filmfest die meisten Filme aufgrund der damaligen Corona-Bestimmungen in Open Air-Kinos gezeigt.
Genau. "Faltenfrei" bei Sturm und Regen mit dem Publikum zu sehen... das schweißt zusammen. Und dass wir dann mit "Ungeschminkt" wieder beim Filmfest dabei sein durften, finde ich auch immer noch großartig. Das Highlight bei jedem Film ist aber wirklich immer wieder Adele! Wenn die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler dazukommen und dadurch neue Dynamiken entstehen, finde ich das wirklich großartig.
Was wünschst Du Dir für die Ausstrahlung von "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks"?
Ich wünsche mir, dass der Film sein Publikum findet. "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" ist klug, witzig, anrührend und bewegend erzählt sowie mit viel Feingefühl inszeniert. Und natürlich wünsche ich uns allen eine gute Quote.
“Makellos - Eine kurze Welle des Glücks” ist am 11. März um 20:15 Uhr im Ersten zu sehen.
Nach einem Drehbuch von Uli Brée inszeniert Dirk Kummer die Komödie "Makellos – Eine kurze Welle des Glücks". In weiteren Rollen sind unter anderem Ulrich Noethen, Manuel Rubey, Caroline Frank, Jochen Busse, Michael A. Grimm und Lisa Kreuzer zu sehen. Produziert wird der Film von Bavaria Fiction (Produzentin: Anna Oeller) im Auftrag von BR und ORF. Die Redaktion liegt bei Claudia Simionescu (BR) und Sabine Renner-Lehner (ORF).
Interview: Dennis Reinhart & Johanna Schlotz