„Das perfekte Geheimnis“ – gelüftet: Facts zum Dreh in den Bavaria Studios

Drei Frauen. Vier Männer. Sieben Telefone. Und eine Regel: Alle eingehenden Nachrichten und Anrufe werden geteilt. Das ist das Grundsetting von „Das Perfekte Geheimnis“, der neuen, hochkarätig besetzten Komödie von Regisseur Bora Dagtekin, die am 31. Oktober in die deutschen Kinos kommt. Gedreht wurde in den Bavaria Studios. „Bavaria Film – Das Magazin“ enthüllt, wie dieser Film voller Geheimnisse und Lebenslügen dort entstanden ist.

Ansicht

Das perfekte Geheimnis

Frederick Lau, Elyas M'Barek, Florian David Fitz, Wotan Wilke Möhring, Jella Haase, Karoline Herfurth und Jessica Schwarz in "Das Perfekte Geheimnis". (Produziert von Constantin Film, gedreht in den Bavaria Studios)

© 2019 Constantin Film

© 2019 Constantin Film

Nichts ist echt. Alles ist Schein. Was für das Verhalten der Hauptcharaktere gilt, kann man auch über fast sämtliche Bilder des Films sagen: Denn wer meint, dieses cineastische Kammerspiel sei in einer Münchner Dachgeschosswohnung gedreht worden, der wurde bereits erfolgreich getäuscht. „Wir hatten auch in Betracht gezogen, in einem echten Altbau zu drehen“, erzählt Lena Schömann, Produzentin bei Constantin Film. „Aber es ist in München schier unmöglich, eine über 100 Quadratmeter große Wohnung zu finden, die leer steht oder deren Mieter bereit sind, für mehrere Wochen ins Hotel zu ziehen, um einem großen Filmteam freie Hand zu lassen.“

„All diese Anforderungen und mehr konnten wir in unseren Studios erfüllen“, erklärt Michael Hilscher, Leiter Vertrieb/Produktion & Marketing Bavaria Studios. Der Dreh zu „Das Perfekte Geheimnis“ zeige, welche Vorteile für Produzenten die Verlagerung von Original-Motiven ins Studio bietet – vor allem, wenn es sich um Hauptmotive handelt. „Constantin Film hatte in Abstimmung mit unserem Art Department volle Freiheit in der Gestaltung der Wohnung. Der Inhalt der Geschichte ist nicht mehr abhängig von vorhandenen Gegebenheiten eines ,on location‘-Drehs. Cast und Crew brauchen sich keine Gedanken um Parkplätze, Drehgenehmigungen oder Ruhestörung machen. Stattdessen finden sie ein optimales Produktionsumfeld mit ansprechenden Büros und Garderoben vor.“ Auch das Risiko von über Social Media geleakten Bildern könne deutlich reduziert werden, da keine Passanten oder nicht akkreditierte Personen Zugang zum Drehort haben.

Dieser Drehort, im Film eine Münchner Dachgeschosswohnung, ist in der Geschichte zentraler Ort des Geschehens: Sieben Freunde treffen sich zu einem gemütlichen Abendessen, diskutieren über Ehrlichkeit und entschließen sich spontan zu einem Spiel. Jede eingehende Nachricht wird vorgelesen, jeder Anruf über Lautsprecher angenommen. Die gemütliche Runde wird schnell gesprengt, immer neue Enthüllungen strapazieren das Verhältnis der Gruppe. Getragen wird „Das Perfekte Geheimnis“, eine Adaption des italienischen Films „Perfetti Sconosciuti“, von Bora Dagtekins Drehbuch und Regie sowie von dem Star-Ensemble, das sich vor der Kamera versammelt hat: Elyas M’Barek, Florian David Fitz, Jella Haase, Karoline Herfurth, Frederick Lau, Wotan Wilke Möhring und Jessica Schwarz drehten zwischen Januar und März 2019 in den Bavaria Studios.

Um die Drehzeit im Studio so effizient wie möglich zu gestalten, wurden Einzelteile wie Wand- oder Deckenelemente nur wenige Dutzend Meter von Studio 12 entfernt in den Werkstätten des Bavaria Studios Art Departments vorgebaut. Dabei kam auch der gut ausgestattete Maschinenpark der Bavaria Studios zum Einsatz: Ob liegende Plattensäge, Kreissäge, Hobelmaschine, Pendelsäge, Kappsäge, Schweiß- oder Stanzgerät – hier findet sich alles, was Schlosser oder Schreiner begehren. Erst nach Fertigstellung aller Elemente wurden diese dann im großen Studio zusammengesetzt. Das spart Zeit – und bare Studiomiete. Damit keine Überraschungen aufkamen und alle Teile auch sicher ineinandergreifen, wurde die gesamte Kulisse mit CAD-Programmen vorgeplant. Damit entwickeln Mitarbeiter ein virtuelles Modell, bevor die Kulisse in die Fertigung geht. Das Vorgehen ist beim Bavaria Studios Art Department Standard.

So konnte man sich auch auf ein Problem vorbereiten, das eine echte Dachgeschosswohnung niemals haben wird: Wie suggeriert man eine Wohnung im Dachgeschoss, wenn die Kulisse ebenerdig steht? Ganz einfach: Man hebt sie um knapp einen Meter an. Die gesamte Kulisse stand schließlich auf einem Bühnenpodest. Die Kameraleute konnten sich ebenerdig positionieren, die Schauspieler auf der höhergelegenen Kulisse. Es entstehen Kamerawinkel nach oben. Eine perfekte Illusion?

Noch nicht: Denn was passiert mit dem Ton, wenn man eine Kulisse um einen Hohlraum darunter erweitert? Jeder. Schritt. Hallt. Auch darauf wussten die Bavaria Studios eine Antwort: An einem Musterpodest wurden verschiedene, schalldämmende Beläge getestet. Es entstand schließlich ein mehrschichtiger Boden, beginnend mit dem Alurahmen des Bühnenpodests und 2-3 cm dicken Mehrschichtplatten. Darauf wurde eine 8 mm dicke PU Trittschalldämmung mit hoher Druckstabilität verbaut. Nach zwei weiteren 19 mm dicken Spanplatten-Schichten und dem im Film zu sehenden Laminat war die Illusion einer echten Wohnung – auch akustisch – wiederhergestellt.

Ein „One Room-Set“ für einen Kinofilm, der also auch auf einer großen Leinwand zu sehen sein wird, erfordert vor allem eines: Liebe zum Detail. Die frisch gestrichenen Wände wurden daher auf alt patiniert. Gebrauchsspuren rund um Lichtschalter oder Steckdosen und ein über Jahre natürlich entstehendes Verblassen der Farben wurden optisch nachgestellt. Die Dachflächen, nur im Anschnitt und für wenige Sekunden im Hintergrund zu sehen, waren bestückt mit Dachziegeln, Schneefanggittern und Dachrinnen. Wo sich filmischer Anspruch von dem eines Schreiners unterscheidet, konnte man dann an den Türen sehen: Das edle, braune Furnier auf Massivholztüren aus echtem amerikanischem Nussbaum passte einfach nicht zum Farbkonzept – und musste deckend grau gestrichen werden. Dem goldenen Handwerk(er) blutet da kurz das Herz. Dafür ist das Stimmungsbild auf der Kinoleinwand jetzt umso gelungener. That’s showbiz.

Eine Häuserfassade, die im Film durch die Fenster hindurch und von der Dachterrasse aus zu sehen ist, wurde mit einem 40 x 7 m großen Rücksetzer suggeriert. Dieser war mehrschichtig aufgebaut, so dass Licht von dahinter aufgebauten Strahlern auch unterschiedlich stark hindurchscheinen konnte: So entstanden „beleuchtete Fenster“. Man könnte hundert weitere Beispiele nennen. „Besonders eindrucksvoll ist die Umsetzung der Dachterrasse. Nicht nur die Authentizität steht einem realen Drehort in nichts nach. Das Team konnte auch zu jeder Tageszeit und wetterunabhängig ,außen‘ drehen“, sagt Michael Hilscher. Und der über den Verlauf der Geschichte am Nachthimmel entlang wandernde Mond? Der kam aus einem Beamer.

Ein Element, das wohl in keiner natürlichen Wohnung Anwendung findet, war für den Filmdreh essentiell: Schwenkbare Glasflächen. Das lichtdurchflutete, moderne Loft im Industrial Look ist bestückt mit vielen Fenster- und Glasflächen, um auch den modernen, stilvollen Charakter seiner Bewohner im Film widerzuspiegeln. Was sich hingegen nicht spiegeln sollte, waren die Filmkameras und Crewmitglieder am Set. Mit der eingebauten Schwenktechnik war das kein Problem: Die Kamera konnte den gewünschten Winkel halten, während die Glasfläche im Hintergrund leicht geschwenkt wurde: Die Spiegelung wurde quasi aus dem sichtbaren Bereich gedreht und ist somit nicht mehr im Bild.

„Das Perfekte Geheimnis“, produziert von Constantin Film, kann jetzt schon auf ein Millionenpublikum hoffen. Es zeigt seinen Zuschauern eine Geschichte aus dem Leben, nahbare Figuren und ein authentisches Setting. Der Film wird dabei viele Tricks des Bavaria Studios Art Departments zeigen. Doch sehen wird sie vermutlich keiner – das größte Lob für die Kulissenbauer.

 

Text: Martin Brückle