Im Netz der Agenten

Wer sind die Menschen, die im Schatten des Kremls die Fäden ziehen? Story House Productions gewährt in den beiden neuen Dokus "Putins Agenten" und "Putins Schattenmänner" Einblicke in ein System, das sonst verborgen bleibt. 

"Putins Macht stützt sich allen voran auf drei zentrale Institutionen: die Armee, das organisierte Verbrechen - an dessen Spitze russische Oligarchen stehen – und den Geheimdienst", sagt Johannes Müller, Regisseur der Reihe und Producer bei Story House Productions. Armee, organisiertes Verbrechen und Geheimdienst – dieses Dreieck bildet die inhaltliche Klammer einer langfristig angelegten Doku-Trilogie der Story House Productions über das heutige Russland: "Putins Krieger" aus dem Jahr 2024 rückte die russische Armee in den Fokus, "Der Pate von St. Petersburg" richtete 2025 den Blick auf die mafiösen Netzwerke des Kremls. 

Und der letzte Teil der Trilogie, "Putins Agenten", fokussiert nun die Rolle der Geheimdienste und deren verdeckte Einflussnahme. Flankiert wird die Dokuserie durch die 45-minütige Doku "Putins Schattenmänner" für das ZDF-Hauptprogramm mit Florian Huber als Autor. In einer verdichteten Fassung liefert der Film mit Einordnungen von Expertinnen und Experten einen analytischen Einblick, wie die Geheimdienste unter Wladimir Putin zum zentralen Machtinstrument ausgebaut wurden.

"Ich habe selbst früher in Russland gelebt und studiert, doch seit Russlands Angriff auf die Ukraine und durch die Arbeit an unseren Dokumentationen hat sich mein Russland-Bild komplett verändert", sagt Johannes Müller. "Trotz vieler schöner Erinnerungen an meine persönliche Zeit in Russland, habe ich meine romantische Sicht auf Russland und die Hoffnung auf eine demokratische Entwicklung von Grund auf revidieren müssen."

Johannes Müller und das Team der Story House Productions haben für die neue Doku jene Menschen ausfindig gemacht, die im Verborgenen die Fäden ziehen. Johannes Müller, Producer bei Story House Productions, sagt: "Russland- und Geheimdienst-Experten, die das Geschehen von außen beurteilen, gibt es en masse. Uns war es aber wichtig, die Perspektive aus dem Inneren des Systems aufzuzeigen. Menschen, die selbst Teil des Systems waren, sollten zu Wort kommen."

Man habe zeigen wollen, wer diese Menschen sind, welche Mentalität sie haben, mit welchen Methoden sie arbeiten. Es sei nicht nur interessant, sondern essenziell, zu verstehen, mit wem man es zu tun hat, sagt Müller. "Deshalb haben wir auch den Fokus auf die Insider gelegt. Sonst fehlt der Scharfsinn, den es braucht, um zu verstehen, was da im Hintergrund passiert."

Nur: Wie findet man diese Insider? Agenten, die nicht gefunden werden wollen? "Wir haben uns über die Jahre hinweg ein großes Netzwerk aus Informanten und Journalisten aufgebaut, das so nur wenige in Deutschland haben", sagt Johannes Müller. So manche Tür habe sich durch die Doku "Putins Krieger" geöffnet.

"Um für die Doku übergelaufene russische Soldaten zu finden und ihr Vertrauen zu gewinnen, haben wir Beziehungen zu Organisationen aufgebaut, die Verbindungen nach Russland haben und Systemaussteigern eine Plattform bieten. Im Laufe der Produktion konnten wir dann zeigen, dass wir die Informanten ernst nehmen, sie schützen und verantwortungsvoll mit ihnen zusammenarbeiten." Die Kontakte und die entstandenen Vertrauensverhältnisse haben den Zugang zu den Agenten, die nun im Fokus der aktuellen Produktion stehen, erheblich erleichtert.

In den vergangenen Jahren haben nur wenige Agenten den Ausstieg gewagt, berichtet Müller. Das System statuiere immer wieder Exempel an denen, die es tun – und die Botschaft sei klar: Verrat kann den Tod bedeuten. Die Informanten versteckten sich in europäischen Staaten, hoffen dort auf Asyl oder seien illegal im Land. Daher habe das Team beim Location-Scouting manchmal Unterstützung von ungewöhnlicher

Seite erhalten: vom ukrainischen Geheimdienst. Dieser habe im Vorhinein die Sicherheitsrisiken der jeweiligen Drehorte geprüft. Der Austausch mit ihnen sei daher sowohl von strengen Vorsichtsmaßnahmen als auch von vielen Unwägbarkeiten geprägt gewesen, berichtet Müller. Entsprechend intensiv war der gesamte Produktionsprozess.

Regisseur und Producer Johannes Müller erinnert sich: "Die Agenten waren mal erreichbar, mal nicht, mal waren sie komplett abgetaucht, um dann scheinbar aus dem Nichts wieder hervorzukommen." Das Team musste flexibel reagieren. Feierabend? Fehlanzeige. "Man muss sich komplett an deren Leben anpassen- ein Leben im Untergrund."

Besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben ist Müller der Dreh mit dem "Hacker", einem der drei Protagonisten in "Putins Agenten". Das Team musste nachts eine geeignete Location für das Interview ausfindig machen, das spontan am nächsten Tag stattfinden sollte. Währenddessen bombardierten russische Flieger die Stadt.

Die Herausforderungen waren allerdings nicht nur organisatorischer Natur. "Geheimagenten sind es gewohnt, sich zu verstellen", sagt Johannes Müller. "Die Frage ist also immer: Kann man sich auf das verlassen, was einem erzählt wird?" Soweit möglich überprüfte das Team die entsprechenden Angaben mithilfe von Partnerorganisationen, die Erfahrung auf dem Gebiet haben.

Müller resümiert: "Man hat Klischees im Kopf, aber die lösen sich bei dieser Produktion sehr schnell auf."

Wer an eine elitäre Gruppe von Agenten denke und erwarte, dass diese aus moralischem Skrupel dem Geheimdienst den Rücken gekehrt hätten, der stoße stattdessen oft auch auf Geschichten, bei denen viel Bürokratie, Opportunismus und Zynismus im Spiel seien. Man wisse am Ende nicht mehr genau, ob man Abscheu empfinde, oder doch so etwas wie Sympathie, sagt Johannes Müller. Oft beides zugleich. Johannes Müller bringt den Anspruch des Teams während der Produktion auf den Punkt: "Wir wollten diese Grautöne einfangen".

Über "Putins Schattenmänner - Russische Agenten packen aus" und "Putins Agenten"

Über mehrere Monate hat ein Team von Investigativjournalisten ehemalige Mitarbeiter der russischen Geheimdienste auf der ganzen Welt getroffen. Deren Berichte erlauben einen Blick in die verborgene Welt der russischen Geheimdienste.
Die Serie legt den Fokus auf die persönlichen Geschichten der Ex-Agenten. Die Doku analysiert und erzählt die Historie von Russlands Geheimdiensten in der Ära Putin als schrittweise Expansion zum hochmodernen Geheimdienststaat, der auch immer mehr zur Bedrohung westlicher Demokratien wird.

Putins Agenten
Dreiteilige Dokuserie

Ab sofort im ZDF streamen

Buch und Regie: Johannes Müller unter Mitarbeit von Florian Huber
Producer: Lena Löwen, Anita Solianko
Produktion: Story House Productions
Redaktion: Ron Boese, Martina Schindelka
Leitung: Caroline Reiher
Sendelänge: 3 x 30 Minuten

Putins Schattenmänner – Russische Agenten packen aus
Film von Florian Huber und Johannes Müller

Ab sofort im ZDF streamen
ZDF: Dienstag, 24. Februar 2026, 20.15 Uhr

Buch und Regie: Florian Huber und Johannes Müller
Producer: Lena Löwen, Anita Solianko
Produktion: Story House Productions
Redaktion: Ron Boese, Martina Schindelka
Leitung: Caroline Reiher
Sendelänge: 45 Minuten

Text: Johanna Schlotz, Dennis Reinhart

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