Hochauflösend ins All

Das Raumschiff nähert sich dem Saturnmond Rhea. Es knackst, es rauscht, das Bild flackert und wackelt. Im Hintergrund Sterne, konturlos, unscharf. Es ist die erste Szene des TV-Kultklassikers "Raumpatrouille Orion" aus den 60er Jahren. Sie war bisher nur im Licht vergangener Tage zu sehen. Das hat sich nun geändert: Die Bavaria Media hat die Science-Fiction-Serie in Zusammenarbeit mit D-Facto Motion aufwändig in 4K-Qualität auf Hochglanz poliert.

In den 60er Jahren produzierte die damalige Bavaria Atelier für die ARD die legendäre "Raumpatrouille Orion". Die damals teuerste Serie des deutschen Fernsehens war noch vor "Star Trek" eine der ersten Science-Fiction-Werke fürs Fernsehen. Die ersten TV-Geräte waren gerade in den deutschen Wohnzimmern angekommen.

Im ersten Ausstrahlungsjahr 1966 war die Serie ein Straßenfeger: Die Einschaltquoten lagen bei bis zu 56 Prozent. Bis heute ist der Kampf der "Orion"-Crew gegen die außerirdischen "Frogs" ein wichtiger Bestandteil der deutschen Fernsehgeschichte und hat eine eingefleischte Fangemeinde. Daher rechnet die Bavaria Media, die die Serie weltweit vermarktet, der Produktion auch heute noch große Marktchancen zu. Marcus Clarén, Head of Content Operations bei Bavaria Media und Leiter des Restaurierungsprojekts, sagt: "Wir konnten das Potenzial bisher nicht voll ausschöpfen, weil sowohl die Serie als auch der Kinofilm nur analog und im SD-Format vorlagen. Deshalb haben wir gesagt: Wir restaurieren beides in 4K-Auflösung, um das Material auf allen verfügbaren Verbreitungswegen zeigen zu können." Für Clarén ist die Restaurierung aber auch ein Liebhaber-Projekt: "Ich kenne die 'Raumpatrouille Orion' schon seit meiner Kindheit aus dem Fernsehen. Ein großes Highlight mit meinen Freunden waren damals die 'Raumpatrouille'-Marathons im Kino in München."

Zum Inhalt der Serie:

Orion-Commander Cliff Allister McLane, ein galaktischer Kriegsheld und Draufgänger im Dienste der Weltregierung, wird mit seiner Crew zur Raumpatrouille strafversetzt. Zusätzlich dazu setzt Colonel Villa, Leiter des Galaktischen Sicherheitsdienstes, die Agentin Tamara Jagellovsk an seine Seite, um ihn genau zu beobachten. Bereits bei ihrem ersten Patrouillenflug geraten die beiden Orion-Offiziere heftig aneinander. Tamara treibt Cliff mit ihren autoritären Anweisungen zur Verzweiflung. Als unbekannte Wesen aus dem Weltraum, genannt Frogs, die Erde angreifen und die Weltregierung sich in einem Zuständigkeitsstreit verstrickt, liegt das Schicksal der Menschheit in den Händen von Cliff und Tamara...

Im Archiv der Bavaria Film in Geiselgasteig lag das gesamte Material von sieben Stunden in 35mm-Aufnahmen vor. Die Bildqualität eines 35mm-Negativs entspricht einer heutigen 8K-Auflösung - beste Voraussetzungen also für eine Restaurierung. "Das Material war technisch und ästhetisch wirklich hervorragend. Auch der Klebstoff, der die Filmbänder zusammenhält, war noch intakt. Eine separate physikalische Instandsetzung der Negative war daher zum Glück nicht nötig", sagt Clarén. In einem großen Paket gingen die Filmrollen dann zum Restaurator der "Raumpatrouille Orion" nach Leipzig: Maik Lezius von D-Facto Motion Leipzig.

Wie eine Restauration genau abläuft

"Der erste Schritt ist, das analoge Filmmaterial von der Filmrolle digital auf einem Speicher zu sichern. Dazu habe ich die Filmrollen mit einem Filmscanner abgetastet, also digitalisiert", erzählt Maik Lezius. Das Ergebnis dieses Scans ist eine Einzelbildsequenz von rund 630.000 Einzelbildern im RAW-Format. Damit beginnt die eigentliche Restaurierung. 

Beim Scannen wurde nicht nur das eigentliche Bild digitalisiert, sondern auch die die Perforation rund um das Filmbild. Um den Bildstand, also ein Wackeln oder Zittern des Bilds, zu korrigieren, muss es zunächst stabilisiert werden. Über die Perforation geschieht dies erstmal automatisch. Eine Feinanpassung muss im zweiten Schritt händisch erfolgen. "Ich habe deshalb jedes Szene nachkontrolliert und teilweise nachjustiert", sagt Lezius. 

Ist das Bild stabilisiert, kann die Größe und der Bildausschnitt angepasst werden. Dazu skaliert Maik Lezius jedes Bild, die Perforation verschwindet: "Ich zoome in das Bild hinein, sodass nur der gewünschte Bildausschnitt zu sehen ist."

Das Bild ist also stabil und im richtigen Ausschnitt - Zeit für die Bildreinigung. Dazu verwendet D-Facto Motion ein Restaurationstool, das - ähnlich wie bei der Bildstabilisierung - zunächst den Filmschmutz automatisch entfernt. Staubkörner, Kratzer oder andere Beschädigungen auf der Filmrolle betreffen fast jedes Frame, für ein klares Bild müssen sie alle entfernt werden. Auch hier muss Lezius anschließend noch einmal Hand anlegen: "Eine aufwändige Handretusche ist immer notwendig und nimmt auch die meiste Zeit in Anspruch. Gerade bei Aufnahmen im 'Weltraum' hält die Software kleine Sterne, Planeten oder teilweise auch das animierte Raumschiff für Filmschmutz und entfernt diese. Hier musste auch mal ein ganzer Sternenhimmel von Hand nachgebaut und eingefügt werden", berichtet er. 

"Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino"

2003 erschien mit "Rücksturz ins Kino" eine Kinofassung der Fernsehserie. Dafür wurden damals die sieben Folgen der Serie zusammengeschnitten. Im Gegensatz zur Fernsehserie befand sich das Originalnegativ dieser Kinofassung vor der Restaurierung in einem sehr schlechten Zustand. Um dem Qualitätsanspruch des Projekts gerecht zu werden, sahen sich Bavaria Media und D-Facto Motion zu einer aufwändige Lösung gezwungen: Der Restaurator Maik Lezius griff für sehr viele Stellen des Films auf das Originalnegativ der Fernsehserie zu. Für die Restaurierung der Kinofassung erhielt die Bavaria Media eine Förderung der FFA zur Digitalisierung des nationalen Filmerbes. 

Der nächste Schritt ist das sogenannte "Degraining". Dabei wird die Grobkörnigkeit des Filmkorns mit Hilfe einer Software reduziert, ohne dass die Serie zu "glatt" wirkt. Hier ist wieder Handarbeit gefragt: Da durch die unterschiedliche Belichtung beim Dreh jede Szene eine andere Körnigkeit hat, passt Maik Lezius die einzelnen Szenen so an, dass sie einheitlich und natürlich wirken. Dafür werden zum Teil auch Bilder entrauscht und danach wird wieder Grain hinzugefügt. 

Die größte Herausforderung: Spezialeffekte 

Bei all diesen Restaurierungsschritten stellen einzelne Szenen eine besondere Herausforderung dar: Szenen mit Spezialeffekten. Für die Landung des Raumkreuzers "Orion" auf dem Saturnmond Rhea wurden zum Beispiel das Raumschiff-Modell und die Planetenkulisse separat gefilmt. Anschließend wurden die beiden Filme in einer "Effektküche" aufeinander geklebt. So entstanden die analogen Effekte der Serie. Diese übereinander gelegten Filmschichten bedeuten nicht nur einen Schärfeverlust, gleichzeitig verdoppelt sich mit jeder neuen Schicht auch das Filmkorn. Während dieser Qualitätsverlust bei den TV-Geräten der 60er Jahre kaum sichtbar war, ist dies heute, insbesondere bei einer 4K-Auflösung, völlig anders. 

Auf den Effekttischen, auf denen damals die visuellen Effekte der Serie entstanden, lag darüber hinaus zum Beispiel Staub, der beim Übereinanderlegen auf das Filmbild übertragen wurde. Das bedeutet groben Filmschmutz, der nicht nur ein Bild, sondern eine ganze Szene betrifft. "Es ist ein großer Aufwand, diesen Effekt zu minimieren", sagt Maik Lezius. "Bei jedem einzelnen betroffenen Bild habe ich die Fehler retuschiert und den fehlenden Bildteil so gut wie möglich händisch wieder aufgefüllt." 

Im abschließenden Grading passt Maik Lezius dann die Helligkeitswerte der einzelnen Szenen an. "Eine Schwarzweiß-Serie zu graden, ist nicht unbedingt einfacher. Ich konnte nicht wie sonst auf die Farbe selbst achten, sondern hatte nur Schwarz-Weiß-Abstufungen zur Verfügung. Da unser Auge auf Farbbilder trainiert ist, ist das eine ziemliche Herausforderung". Aber dann ist es geschafft, die restaurierte Datei liegt auf dem Server. 

Der Ton 

Nicht nur das Bild der Serie bedurfte einer Erneuerung. Auch der Ton musste für die Restaurierung durch Entrauschen, Entknacken und Entzerren aufpoliert werden. Darüber hinaus entschieden sich Bavaria Media und D-Facto Motion für eine komplette Dolby Atmos-Mischung der Serie unter der Leitung von Christoph von Schönburg von D-Facto Motion München. "Gerade in den Szenen, in denen zum Beispiel das Raumschiff startet, gibt die Atmos-Tonspur dem Sound viel mehr Raum als in der Mono-Version. Allerdings haben wir den Einsatz des Raumklangs sehr dezent gehalten, da wir dem Original so treu wie möglich bleiben wollten", erzählt Marcus Clarén. Eurovideo wird die BluRay der Serie künftig auch in einer 4K-Dolby-Atmos-Version herausbringen. 

Projektleiter Marcus Clarén ist zufrieden: "Bei der Restaurierung war uns die Originaltreue besonders wichtig. Auch weil wir wussten, dass die vielen Fans der Serie genau hinschauen würden. Genau das hat unsere Restaurierung absolut erfüllt: Wir sind mit dem Produkt sehr zufrieden."

In einem Münchner Kino ist es dann soweit. Die "Orion" landet erneut auf dem Saturnmond. Nur diesmal mit klarem, stabilen und gestochen scharfen Bild, leuchtend hellen Sternen und einer beeindruckenden Geräuschkulisse. "Ich hatte Angst, dass es auf der großen Leinwand ganz anders aussieht als auf meinem Bildschirm. Oder dass man Fehler sieht, die ich übersehen habe", sagt Maik Lezius. "Aber als ich die ersten Minuten gesehen habe, war ich wirklich erleichtert. Es ist perfekt."

Im Sommer 2023 waren die Serie und die Kinoversion "Rücksturz ins Kino" in mehreren Sondervorführungen auf der großen Leinwand zu sehen. Ab dem 7. Dezember ist die remasterte Version auf BluRay und DVD erhältlich. Im Streaming-Bereich wird die "Raumpatrouille Orion" bei Paramount+ zu sehen sein. Auch Ausstrahlungen im linearen Fernsehen sind geplant. 

 

Text: Daniel Kreutzenberger

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