"Treue ist Teil meiner DNA"

Produzentin Bea Schmidt hat Bavaria- und Fernsehgeschichte geschrieben. Jetzt geht sie nach knapp 30 Jahren von Bord. Ein Gespräch zum Abschied.

Frau Schmidt, Sie waren fast vier Dekaden in der Film- und Fernsehbranche tätig, knapp 30 Jahre haben Sie in der Bavaria Film Gruppe gearbeitet. Warum sind Sie dieser verrückten Branche so lange treu geblieben?

Es gab nie einen Grund, die Branche zu wechseln. Die vielen unterschiedlichen Projekte, die verschiedenen Drehorte, die spannenden Menschen – die TV-Branche ist so abwechslungsreich wie kaum eine andere. Gewechselt habe ich Mitte der 90er innerhalb der Branche. Ich habe damals die Redaktion Serien im Vorabendprogramm beim BR geleitet und bin dann zur Bavaria auf die Produzentenseite gewechselt.

Und es war Liebe auf den ersten Blick?

Nein, tatsächlich hat mich die Bavaria damals nicht wirklich gereizt. Ich wollte eigentlich zu einer anderen Firma, die mich abwerben wollte. Der damalige Programmdirektor des Ersten, Günter Struve, bekam davon Wind und hat zu mir gesagt: Frau Bea – so nannte er mich – Frau Bea, wenn Sie schon wechseln wollen, dann bleiben Sie wenigstens in der Familie! Günter Struve hat dann mit dem damaligen Bavaria-Geschäftsführer Thilo Kleine gesprochen, der mich schließlich überzeugte, zur Bavaria zu gehen.

Jedoch zunächst nicht als Produzentin.

Das stimmt. Ich wollte mich damals nicht so gerne in die Riege der Produzenten einreihen, sondern lieber ein Development-Department aufbauen. Ich habe dann eine ganze Weile Projekte entwickelt – gerade für neu gegründete Firmen der Bavaria Film Gruppe, die Serien als wirtschaftliches Fundament brauchten.

Welche Programme haben Sie auf den Weg gebracht?

Für die neu gegründete Saxonia zum Beispiel "In aller Freundschaft". Für die Askania "Schloss Einstein" und Anfang der 2000er für die heutige Bavaria Fiction "Die Rosenheim-Cops".

Wann folgte der Schritt von der Programmentwicklung auf die Produzentenseite?

Hier kam auch wieder Günter Struve ins Spiel: Frau Bea, die Daily "Marienhof" läuft nicht mehr gut, übernehmen Sie die Produktion!

"Marienhof" hatten Sie auch während Ihrer BR-Zeit im Programm verantwortet. Back to the roots also…

… das Verrückte war: Ich wollte die ARD damals auch verlassen, weil ich keine Lust mehr auf Dailys hatte! (lacht)

Das hat ja prima geklappt (lacht): Sie stehen heute wie kaum eine andere in der Branche für Daily Soaps. Den „Marienhof“ haben Sie damals wieder in die Erfolgsspur gebracht und parallel dazu ein neues Daily-Baby geboren: "Sturm der Liebe". Und den "Sturm" verantworten Sie jetzt seit 17 Jahren. Branchen-Treue, Firmen-Treue – und Format-Treue. Das sagt eine Menge über Sie aus, oder?

Treue ist offenbar Teil meiner DNA (lacht). Und der "Sturm" ist einfach eine Herzensangelegenheit. Ich habe zwar auch viele Fernsehfilme produziert, aber den "Sturm", den liebe ich einfach. Es gab über die Jahre keinen Moment, in dem er mich gelangweilt hat.

Wie haben Sie es geschafft, "Sturm der Liebe" über fast zwei Dekaden immer frisch zu halten?

Als ich den "Sturm" entwickelt habe, hatte ich eine Vision und der bin ich immer – da haben wir es wieder – treu geblieben: eine Mischung aus einer Verdichtung von Ereignissen und Überhöhung von Emotionen. Der "Sturm" ist die eskapistischste Serie im deutschen Fernsehen. Wir haben immer einen starken Spannungsbogen und viele emotionale Geschichten. Wir entführen die Zuschauerinnen und Zuschauer jeden Nachmittag in eine wunderbare weiche Wolke, ein starkes emotionales Involvement. Wir holen sie ab aus ihrem sicher nicht immer angenehmen Alltag.

"Sturm der Liebe" läuft in mehr als 20 Ländern. Warum funktioniert die Serie in Italien genauso wie in Belgien?

Anfangs habe ich auch gedacht: Der "Sturm" ist eine sehr deutsche Serie. Aber offenbar können wir weltweit das "Sturm"-Gefühl evozieren. Schließlich lieben wir alle, verspüren bisweilen Neid und Eifersucht – egal, ob wir in Italien oder in Belgien leben.

Bea Schmidt: "Ich hoffe, dass mein Baby, das in diesem Jahr volljährig wird, noch ein langes gutes Leben hat."

Teilweise werden Telenovelas in der Branche etwas belächelt. Hat Sie das je gestört?

Nie. Ich weiß, was wir hier leisten. Wir unterhalten auf hohem Niveau. Wer unsere Produktion mit einem "Ist ja nur Soap…" belächelt, hat keine Ahnung.

Am Ende entscheidet ohnehin immer das Publikum.

Deswegen haben wir ja auch den Publikumspreis beim Deutschen Fernsehpreis gewonnen!

Nun hat Ihnen die ARD quasi zum Abschied nochmal eine Prolongation des "Sturms" um zwei Jahre geschenkt.

Es freut mich sehr, dass der "Sturm" mit 330 neuen Folgen noch einmal alle Chancen der Welt erhält. Ich hoffe, dass mein Baby, das in diesem Jahr volljährig wird, noch ein langes gutes Leben hat.

Sie haben mit Ihren Produktionen und Entwicklungen Fernsehgeschichte geschrieben. Wie blicken Sie selbst auf Ihre Karriere zurück?

Mit Stolz und Dankbarkeit. Es gab viele tolle Produktionen wie zu Beginn meiner Karriere "Die glückliche Familie" mit Maria Schell, ernste Produktionen wie den Spielfilm "Herbstkind" und meine Dailys natürlich. Ich weiß, dass ich viele Menschen glücklich gemacht und unterhalten habe. Es ist auch ein schönes Gefühl, dem Nachwuchs den Weg in die Branche ermöglicht zu haben. Darüber habe ich erst kürzlich mit Sönke Wortmann gesprochen, der bei mir erstmals Regie geführt hat.

Nun verlassen Sie die Bavaria und auch die TV-Branche. Mit welchen Gefühlen?

Natürlich ist viel Wehmut dabei. Ich spüre noch so viel Energie in mir, ich hätte auch noch zehn Jahre weitermachen können. Aber würde mein Leben dadurch reicher? Wahrscheinlich nicht. Deshalb möchte ich meine Kraft nutzen, um jetzt andere Dinge auszuprobieren.

Ich kann mir bei Ihnen auch gar nicht vorstellen, dass Sie in eine wie auch immer geartete Form von "Ruhestand" gehen…

… um Gottes Willen, dieses Wort möchte ich nicht hören! (lacht) Schlimmer ist das nur noch in Verbindung mit "wohlverdient".  Ich werde auch künftig nicht untätig sein.

Als Produzentin?

Vielleicht will ich jetzt tatsächlich doch einmal untreu werden und etwas ganz anderes machen (lacht). Sicher ist schon, dass ich noch einmal an die Universität gehen und ein Studium Generale absolvieren werde.

Frau Schmidt, wir wünschen Ihnen, verbunden mit großem Respekt vor Ihrer Arbeit und Ihrer Karriere, alles Gute für die Zukunft und danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

Interview: Dr. Sebastian Feuß

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