Uwe Ochsenknecht im Interview: "Eine Frage des Respekts"

Berlin - Zwei neue Episoden der Bavaria Fiction-Reihe "Die Drei von der Müllabfuhr" feiern TV-Premiere. Hauptdarsteller Uwe Ochsenknecht erklärt im Interview, was seine Rolle als "Käpt'n" Werner Träsch so anarchisch macht, wo die Grenze zwischen Kunst und Krempel verläuft und warum meckernde Passanten ein Kompliment für den Schauspieler sind.

Herr Ochsenknecht, Produzentin Doris Zander sagte zum Start der Reihe: "'Die Drei von der Müllabfuhr', das ist Herz & Schnauze & Humor." Wie, würden Sie sagen, ist hier das Mischverhältnis?

Das ist eine gute Mischung. Ich würde aber noch "Gesellschaftskritik" hinzufügen.

Sie sind jetzt schon zum fünften und sechsten Mal in die Rolle von "Käpt'n" Werner Träsch geschlüpft. Macht Ihnen persönlich noch jemand was vor in Sachen Mülltrennung?

Das ist ja eigentlich gar nicht so schwer, dafür braucht man kein Abitur. Gott sei Dank stehen überall die beschrifteten Tonnen und für die ganz Blöden sind ja sogar Zeichen darauf, wie eine Plastikflasche aussieht. Also eigentlich dürfte das heute kein Problem mehr sein. Trotzdem sehe ich egal wo immer wieder Plastiktüten in Feldern, Zigarettenschachteln.

Ihre Sensibilität für solche Anblicke hat sich mit dem Dreh der Reihe sicher verschärft?

Die hatte ich eigentlich schon immer. Kippen aus dem Fenster werfen beim Autofahren habe ich zum Beispiel immer verurteilt. Und wenn ich Müllmännern im Wohnhaus begegne, dann begrüße ich die und bedanke mich für ihre Arbeit. Im ersten Moment schauen sie dann komisch, weil sie das nicht gewohnt sind. Aber dann merkt man schon, dass sie sich über so ein persönliches Danke sehr freuen. Das ist auch eine Frage des Respekts. Müllmänner werden so oft angemeckert. Das ist auch ein Grund, warum ich diese Reihe angenommen habe: damit mal ein Scheinwerferlicht auf dieser Berufsgruppe liegt. Es ist für alle immer so selbstverständlich, dass jemand ihren Dreck wegräumt. 

"Die Drei von der Müllabfuhr: Die Streunerin":
am 07.05., 20:15 Uhr auf Das Erste und in der ARD Mediathek

"Die Drei von der Müllabfuhr: Operation Miethai":
am 14.05., 20:15 Uhr auf Das Erste und in der ARD Mediathek

Es gibt nur wenige Fahrzeuge mit mehr PS als ein Müllwagen (ca. 300): Haben Sie am Set selbst mal am Steuer gesessen?

Das dürfen wir aus sicherheitstechnischen Gründen leider nicht. Wenn wir in den Filmen durch die Stadt fahren, machen das Doubles von uns. Die meisten Fahrszenen entstehen dann im Studio. Die Dinger kosten eine Viertel Million. Die sogenannte Schüttung hinten am Müllwagen ist auch ein hochtechnisches Gerät. Vorne im Cockpit sind Kameras, damit man das hinten alles beobachten kann.

Mehr und mehr Fahrzeuge, auch bei der Berliner Müllabfuhr, werden mit regenerativen Energien betrieben. Wie würde sich Käpt'n am Steuer eines grünen Mülllasters machen?

Werner ist ein eher traditioneller Typ. Wenn etwas schon seit Jahrzehnten gut funktioniert - warum sollte man es dann ändern? Aber natürlich weiß er auch, gerade weil er täglich mit so viel Müll zu tun hat, dass beispielsweise Plastik schlecht ist – der ist ja nicht bescheuert. Ich glaube, am Anfang würde er erstmal rummeckern, aber dann schon einsehen, dass das alles Sinn macht und für unser aller Zukunft und für den Planeten gut ist. Dagegen würde er sich nicht wehren.

Wie hat sich die Figur des Käpt'n im Verlauf der Reihe entwickelt?

Was er überhaupt nicht mag, ist Ungerechtigkeit. Dagegen kämpft er an, sei es in seiner Familie oder auch wenn er unterwegs etwas sieht. Er ist ein im positiven Sinne einfacher Mensch und versteht gar nicht, warum das Leben so kompliziert sein soll. Da wird er dann auch mal anarchisch, nach dem Motto: "Das machen wir jetzt so." Und dafür bekommt er immer wieder Ärger. Aber bisher ist es noch immer gut für ihn ausgegangen.

Seinen Dickkopf scheint er nicht zu verlieren. Aber er gibt auch öfter nach, als noch in den ersten Filmen…

Seine Freundin Gabi sorgt für Harmonie. Und seine Tochter und sein Enkelkind lassen ihn etwas altersmilde werden. Das heißt aber nicht, dass er seine Lust auf Konfrontation verliert – und das wird auch so bleiben. Es gibt noch genug Konfliktthemen in einer Stadt wie Berlin. Da haben wir noch einiges zu erzählen.

Stichwort Berlin: Welche Rolle spielt die Hauptstadt in der TV-Reihe? Heimlicher Hauptdarsteller oder doch eher Statist?

Auf jeden Fall mehr als ein Statist. Berlin verkörpert zwar Großstädte im Allgemeinen. Aber was in der "Müllabfuhr"-Reihe noch dazu kommt, ist die typische Berliner Schnauze: Das Herz am rechten Fleck - aber eben auch auf der Zunge.

In Teil 5 "Die Streunerin" bekommen Käpt'n und seine Leute einen Consultant zur Seite gestellt. Haben Sie schonmal Ratschläge bekommen, auf die Sie gut verzichten konnten?

Ich habe mich schon oft mit Menschen beraten. Die letzte Entscheidung treffe dann aber immer ich. Und damit bin ich bisher ganz gut gefahren. Mit Gefühl und Erfahrung bin ich da noch nie wirklich auf die Schnauze gefallen. Wenn ich mir mal unsicher bin, dann habe ich meine Leute, die ich nach ihrer Meinung frage und tausche mit ihnen Sichtweisen und Argumente aus. Da ist oft was dabei, worauf ich selbst nicht gekommen bin.

In Teil 6 "Operation Miethai" spüren die Drei von der Müllabfuhr ein Kunstwerk auf, das versehentlich im Sperrmüll gelandet ist. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Kunst und Krempel?

Diese Grenze ziehen meistens die Kunsthändler. Da gehen Millionenbeträge über den Tisch und man fragt sich: Was rechtfertigt so einen Preis? Ich habe auch ein paar Kunstobjekte zu Hause. Sowas kaufe ich aber nur, weil es mir gefällt und nicht als Wertanlage.

Was war Ihr schönstes Set-Erlebnis bei "Die Drei von der Müllabfuhr"?

Es kommt immer wieder vor, dass uns Menschen mit echten Müllmännern verwechseln. Das ist natürlich ein großes Kompliment. Da kommt schon mal ein: "Parkst du mich hier zu oder wat?" Und entsprechend der Berliner Schnauze antworte ich dann auch: "Mecker hier nicht rum, wir machen doch auch für dich Fernsehprogramm. Jetzt warte mal einen Moment, bis du ausparkst." Oft bemerken sie dann erst, dass wir drehen, und erkennen mich auch. Da ist die Sache dann meistens schon wieder erledigt.

 

Interview: Martin Brückle

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